Der Fall von Nguyen Duc Thuan und Tran Hiep wird inzwischen von zahlreichen internationalen Medien wie Reuters, BBC, The Independent, ABC Australia sowie kambodschanischen Medien verfolgt. Während Viet Tan behauptet, die beiden Männer seien auf kambodschanischem Staatsgebiet entführt und anschließend gegen ihren Willen nach Vietnam gebracht worden, erklärt Hanoi, sie seien beim „illegalen Grenzübertritt“ nach Vietnam festgenommen worden.

Bis zum 30. September 2026 konzentrieren sich die Regierungen Australiens und Norwegens vor allem auf konsularische Unterstützung und die Klärung des Aufenthaltsortes und Status ihrer Staatsangehörigen. Die kambodschanische Regierung erklärte bislang, keine Informationen über eine Festnahme auf ihrem Territorium zu haben.
Der Fall betrifft zwei Aktivisten mit ausländischer Staatsangehörigkeit: Nguyen Duc Thuan, norwegischer Staatsbürger, und Ho Pham Hiep Huy, auch bekannt als Tran Hiep, australischer Staatsbürger. Seit dem 29. und 30. September berichten zahlreiche internationale Nachrichtenagenturen und Medien über den Fall.
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Frage, wo und unter welchen Umständen die beiden Männer in die Gewalt vietnamesischer Sicherheitsbehörden gelangten.
Vietnamesisches Innenministerium: Festnahme beim illegalen Grenzübertritt
Das vietnamesische Ministerium für öffentliche Sicherheit teilte mit, dass Grenzschutzkräfte am Grenzübergang My Quy Tay in der Provinz Tay Ninh am 18. September gegen 21.50 Uhr Nguyen Duc Thuan, Ho Pham Hiep Huy und Thai Cong Truong Son festgenommen hätten.
Nach Darstellung der vietnamesischen Behörden sollen die drei Männer versucht haben, illegal aus Kambodscha nach Vietnam einzureisen.
Am 28. September wurden Ermittlungsverfahren gegen alle drei eingeleitet und Untersuchungshaft angeordnet. Ihnen werden unter anderem „Terrorismus“ sowie „Fälschung von Siegeln und Dokumenten von Behörden und Organisationen“ vorgeworfen.
Bei diesen Vorwürfen handelt es sich bislang um Anschuldigungen der vietnamesischen Ermittlungsbehörden. Ein rechtskräftiges Gerichtsurteil liegt nicht vor.
Viet Tan erhebt Vorwurf der Entführung in Kambodscha
Viet Tan stellt den Vorgang völlig anders dar.
Nach Angaben der Organisation hielten sich Nguyen Duc Thuan und Tran Hiep am 18. September im Gebiet Kaoh Andaet in Kambodscha auf, als der Kontakt zu ihnen abbrach. Sie hätten nicht beabsichtigt, nach Vietnam einzureisen.
Viet Tan behauptet, beide Männer seien in Kambodscha festgenommen und anschließend gegen ihren Willen über die Grenze nach Vietnam gebracht worden.
Die Organisation bezeichnet den Vorgang als einen Fall von „transnationaler Repression“.
Internationale Medien wie Reuters, BBC und The Independent berichten über beide widersprüchlichen Darstellungen, ohne eine davon als abschließend bewiesen darzustellen.
Australische Regierung: konsularische Unterstützung und Kontakt mit der Familie
Die öffentliche Reaktion der australischen Regierung ist bislang zurückhaltend.
Australiens Premierminister Anthony Albanese erklärte, die Regierung leiste konsularische Unterstützung und stehe weiterhin in direktem Kontakt mit der Familie von Tran Hiep.
Das australische Außen- und Handelsministerium, das Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT), hatte zuvor mitgeteilt, gegenüber den vietnamesischen Behörden dringende Anfragen gestellt zu haben, um Informationen über die Festnahme eines australischen Staatsbürgers zu erhalten.
Bislang hat die australische Regierung nicht öffentlich bestätigt, dass Tran Hiep in Kambodscha entführt wurde.
Die offizielle Position Australiens konzentriert sich derzeit darauf, den Status des eigenen Staatsangehörigen festzustellen, dessen Familie zu unterstützen und konsularischen Beistand zu leisten.
Ehefrau widerspricht der vietnamesischen Darstellung
Tran Hieps Ehefrau Chloe Dang erklärte, die Darstellung der vietnamesischen Behörden passe nicht zum Reiseplan ihres Mannes.
Nach ihren Angaben sollte Tran Hiep nur etwa ein bis zwei Stunden nach dem Zeitpunkt, zu dem er laut vietnamesischer Darstellung die Grenze nach Vietnam überquert haben soll, von Kambodscha nach Bangkok fliegen.
Sie bezeichnete es deshalb als „unmöglich“, dass ihr Mann freiwillig nach Vietnam gereist sei.
Dabei handelt es sich um die Darstellung der Familie. Sie stellt bislang weder eine offizielle Schlussfolgerung der australischen Regierung noch das Ergebnis einer unabhängigen Untersuchung dar.
Norwegen fordert Bestätigung der Inhaftierung und konsularischen Zugang
Die Reaktion des norwegischen Außenministeriums ist insbesondere hinsichtlich des konsularischen Zugangs konkreter.
Nach einer von The Independent zitierten Erklärung teilte das norwegische Außenministerium mit, dass sowohl die norwegische Botschaft in Hanoi als auch das Ministerium konsularische Unterstützung leisteten und bereits Kontakt zur Familie von Nguyen Duc Thuan aufgenommen hätten.
Norwegen habe die vietnamesischen Behörden unverzüglich aufgefordert, die Inhaftierung zu bestätigen und konsularischen Zugang zu ermöglichen.
Darüber hinaus habe die norwegische Seite den vietnamesischen Behörden die Sorgen der Familie über den Gesundheitszustand von Nguyen Duc Thuan übermittelt. Der Fall werde mit hoher Priorität behandelt.
Unter Hinweis auf die konsularische Vertraulichkeit veröffentlichte das norwegische Außenministerium bislang keine weiteren Einzelheiten.
Viet Tan erklärte, Nguyen Duc Thuan leide an Diabetes und benötige täglich Insulin. Diese Information stammt von Viet Tan und wurde bislang nicht unabhängig medizinisch bestätigt.
Kambodscha: Regierungssprecher hat nach eigenen Angaben keine Informationen
Kambodscha spielt in der Kontroverse eine zentrale Rolle.
Sollten die beiden Männer tatsächlich auf kambodschanischem Staatsgebiet festgenommen und anschließend nach Vietnam gebracht worden sein, würde dies Fragen hinsichtlich der territorialen Souveränität Kambodschas aufwerfen.
Nach Angaben von Reuters erklärte jedoch ein Sprecher der kambodschanischen Regierung, ihm lägen keine Informationen über entsprechende Festnahmen vor.
Die BBC erklärte ebenfalls, sowohl die vietnamesischen als auch die kambodschanischen Behörden um Stellungnahme gebeten zu haben.
Bis zum 30. September 2026 gibt es daher keine öffentliche Erklärung der kambodschanischen Regierung, die bestätigt, dass vietnamesische Kräfte eine Festnahme auf kambodschanischem Staatsgebiet durchgeführt hätten.
Vietnam: Drei Männer seien selbst über die Grenze gekommen und hätten gefälschte Dokumente mitgeführt
Die vietnamesischen Behörden weisen den Entführungsvorwurf indirekt zurück, indem sie einen völlig anderen Ablauf schildern.
Nach der offiziellen Mitteilung des Ministeriums für öffentliche Sicherheit wurden die drei Männer im Grenzgebiet der Provinz Tay Ninh aufgegriffen, als sie illegal nach Vietnam eingereist seien.
Nguyen Duc Thuan habe einen norwegischen Pass sowie zwei vietnamesische Personalausweise mitgeführt, die nach Angaben der Ermittlungsbehörden gefälscht gewesen seien.
Ho Pham Hiep Huy habe einen australischen Pass auf den Namen Tran Hiep bei sich gehabt.
Das Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärte außerdem, die Festgenommenen hätten angegeben, Mitglieder von Viet Tan zu sein und nach Vietnam gekommen zu sein, um „terroristische und sabotierende Aktivitäten“ durchzuführen.
Viet Tan weist diese Darstellung vollständig zurück. Die Organisation behauptet, die Vorwürfe seien konstruiert worden, um zu erklären, weshalb zwei ihrer Mitglieder nach ihrem Verschwinden in Kambodscha plötzlich in vietnamesischem Gewahrsam auftauchten.
Bislang liegt keine öffentlich bekannte unabhängige Untersuchung vor, die die widersprüchlichen Darstellungen abschließend überprüft und geklärt hätte.
Lê Anh – Thoibao.de









